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  • "Ein Ankläger macht Mut
    Die engagierte Band „Strom und Wasser“ rüttelt auf im „Bett“.
    „Es wachsen die Mauern wie giftige Pflanzen, nur wächst das Bedauern leider nicht mit“ stellt Heinz Ratz in einem Song fest; an anderer Stelle erklärt er ironisch: „die meisten Dinge auf der Welt sehn einfach besser aus, wenn man sie falschrum hält.“ Der Sänger, Texter und nachdenkliche Kopf der Band Strom und Wasser hat Humor, macht aber keinesfalls nur Spaß. Vielmehr zeigt er mit scharfer Beobachtung und unerbittlicher Konsequenz bekannte und weniger offensichtliche Tendenzen einer Gesellschaft auf der schiefen Bahn. Dabei ist Ratz kein Kabarettist, bleibt dem Songformat verbunden, besonders auf den CDs von Strom und Wasser. Die Bühne nutzt er indes auch als Plattform, um zwischen den Liedern zu erzählen, was sein waches Bewusstsein umtreibt.
    Im Rahmen der Tournee „Lauf gegen die Kälte“ zugunsten von Obdachlosen lief Heinz Ratz 2008 zu Fuß von Konzert zu Konzert, im Jahr darauf schwamm er von Lindau nach Kiel, um mit der Tour „Die Lee(h)re der Flüsse“ Geld für regionale Artenschutzprojekte zu sammeln. Nun sitzt Ratz auf dem Fahrrad, hat schon rund 40 Konzerte hinter sich und ebenso viele Heime für Asylsuchende gesehen. Diesen kommen die Einnahmen der aktuellen „Tour der 1000 Brücken“ zugute. Zur Moral des Aktivisten aus Kiel gehört, nicht nur über Missstände zu wettern, sondern aktiv an ihrer Verbesserung mitzuwirken. Er besucht die Heime, spricht mit den flüchtigen Menschen, lädt sie zu seinen Konzerten ein, versucht Begegnungen zu fördern, die normalerweise kaum stattfinden. Heinz Ratz kümmert sich und berichtet alsbald auf der Bühne, was er in den „Lagern“ gesehen und gehört hat. Es wird eine längere Erzählung, die ohne aufgesetztes Pathos Nachdenklichkeit bis Beklemmung bei den Zuhörern auslöst. So steht Ratz auf sehr persönliche Art in der Tradition reisender Troubadoure, die einst dem Volk auf dem Marktplatz Geschehnisse aus anderen Teilen des Landes vortrugen; gleichzeitig ist er ein provozierender Till Eulenspiegel für alle, die es sich im westlichen Lebensstil bequem gemacht haben.
    Einige Male weht der Geist der legendären Polit-Rocker „Ton, Steine, Scherben“ durch das Konzert im gut besuchten „Bett“, zumal die knarzig-kraftvolle Raustimme von Heinz Ratz besonders in „Glückliches Lied“ an Rio Reiser erinnert. Auch in der reduzierten Trio-Besetzung mit Pianist Enno Dugnus und Perkussionist Claudio Spieler kann Strom und Wasser Dynamik erzeugen, vor allem durch treibende Rhythmen und Ratz' energiegeladenen Vortrag. Dugnus' ausgefuchste Stakkatos und fließenden Läufe auf dem E-Piano changieren zwischen Chanson- und Jazz-Ideen, für besonders wuchtige Momente wechselt er zum Orgelsound. Ebenso effizient wie raffiniert entlockt Claudio Spieler dem Cajon gleichzeitig Basstrommel- und „Snaredrum“-Klänge, verdichtet Beats mit Bongos, Conga, Kuhglocke und einigen Becken. Dazu pendelt Ratz auf der fünfsaitigen akustischen Bassgitarre zwischen lockeren Grooves und knalligen Riffs.
    Natürlich klingt das aktuelle Album „Mondpunk“ opulenter und variabler, immerhin spielten im Studio auch E-Gitarre und Saxophon, Flöte und Cello, Marimba und Schlagzeug mit. In voller Besetzung alterniert Strom & Wasser lässig von Latin-Schwung zum Underdog-Blues eines Tom Waits, verbindet Ska-Rasanz und Punk-Anarchie souverän mit Zwischentönen. Das CD-Booklet sorgt für Beachtung der bissigen Texte; auf der Bühne stehen sie, nicht nur dank Ratz' Stimmgewalt, ohnehin im Mittelpunkt. Mal gnadenlos direkt, mal lakonisch zieht der Moritatensänger über Gier und Verlogenheit her, beschränkt sich aber nicht nur auf die Rolle des grimmigen Anklägers. In manch aufmunterndem Song vermittelt er auch Herzenswärme und entschlossene Lebensfreude."
    FAZ, Norbert Krampf, 7.3.2011

  • Wie ein Mix aus zappaeskem Dschungelbuch und Muppetshow.
    Strom und Wasser sind Essenzen, ohne die wir total im Eimer wären. So ähnlich verhält es sich auch mit der gleichnamigen Band von Heinz Ratz und vor allem mit der wunderschön betitelten Scheibe "Mondpunk". Nach dem Genuss dieser 17 Lieder fragt man sich unwillkürlich: Wie konnte ich nur ohne diese Musik, ohne solche Texte mein bisheriges Dasein fristen? 
    Denn der freundlich knuffige Mondpunk – im einnehmend gestalteten Artwork kongenial verewigt – fungiert dabei als Alter Ego eines jeden unter uns, der schlussendlich begreift, worum es im Leben gehen sollte und dabei unmerklich seine irdische Spießer-Hülle abstreift.
    Derlei Verspieltheit soll man nicht leichtfertig als Hang zu Kitsch oder geschmäcklerisch kalkulierter Pseudo-Niedlichkeit interpretieren. Im Gegensatz zu der liebenswerten Nachtgestalt schont Chefkomponist Ratz sein Publikum nämlich nicht im Geringsten.
    Direkt, ungeschminkt, pointiert, lakonisch und derb verkündet Ratz ein Füllhorn voll kleiner und großer Weisheiten. Er zelebriert es mit der ihm eigenen leicht räudigen Mischung aus Abgeklärtheit und fiebrigem Enthusiasmus, die nur ein echter Raindog haben kann.
    Die sadopoetische Dichte an druckreifen Aphorismen für die Ewigkeit ist dermaßen hoch, und ich scheue mich nicht, diese CD als ähnlich gehaltvoll und wichtig für unsere Zeitgeist gebeutelten Tage zu erachten, wie die ewige Schatzkammer 'Der kleine Prinz' von Saint-Exupéry. Spielerisch entlarven Strom Und Wasser nur scheinbar lächerliche Begleiterscheinungen unserer Gegenwart als Pestbeulen charakterlicher Unkultur des ewigen Misanthropen. " … eine Asylfamilie, die sich verzweifelt umklammert hält. Und das kleinste Mädchen so traurig und müd'. Es begreift viel zu gut, was geschieht. Der Beamte bleibt hart und sagt: hier nicht! In seinem Gesicht ist das Lächeln von Dieter Bohlen. Er zeigt es offen und unverhohlen".
    Getreu diesem absoluten Konzept des sich selbst nie schonenden Künstlers im Dienste der guten Sache gibt Ratz entschlossen den mal distinguierten, dann wieder geifernd bellend ungebrochenen Aristide Bruant deutscher Liedermacherkunst. Sein Montmartre ist hierbei ganz Deutschland.
    In dieser Art portraitiert er den alltäglichen Überlebenskampf nicht nur der Armen, sondern all jener, die überhaupt noch etwas spüren. "Schweigen, Gehorchen, Arbeiten und Schlafen. Das ist die Welt von Wölfen. Das ist die Welt von Schafen. Fressen, Fernsehen, Saufen, Ficken, Streiken – Das soll der Sinn des Lebens sein in hiesigen Zeiten."
    Der Band eine gewisse stilistische Flexibilität zu bescheinigen, geriete zur Untertreibung des Jahres. Blutjazzer scheinen sie allesamt! Trotz klingenscharfer Arrangements mit einem unstillbaren Hang zur Ekstase; Minimalisten alter Waits-Schule mit einem Schlenker zu frohwandlerischem Vaudeville und chansonesken Tränenziehern gleichermaßen. Denn sie wissen: Die Welt hat ein wildes Herz. Bei Bedarf könnte die erstaunliche Truppe wohl ohne Probleme etwas so rauhes wie den kompletten Backkatalog der Dead Kennedys herunterkloppen - ohne sich zu verbiegen.
    Die totale Fusion also? Ja! Und zwar in Vollendung. Besonders angenehm geraten die Songs, wenn Tastenmann Enno Dugnus seiner Modern Jazz-Vorliebe nachgibt. "Kleine Verstecke" oder "Was Für Ein Lied" geben der bunten Mischung aus zappaeskem Dschungelbuch und Muppetshow das höchst erstaunliche Quentchen Dave Brubeck. Der Stoiker im ihn umgebenden Wahnsinn.
    Ebenfalls Highlights sind das gelegentlich eingestreute leicht zickige Sax sowie die funky 'Herr Rossi sucht das Glück'-Flöte von Arne Assmann. Auch krachigere Untertöne stehen dem Sextett außerordentlich gut. Das lyrisch ohnehin brillante "1x1 Des Herzens" kippt in der zweiten Hälfte zusehends von träumerischer Litanei zu gefährlich loderndem Arschtreter-Rock samt ekstatischer 'Schaum-vor-dem-Mund Vocals' des Oberschamanen Ratz. "Wir können uns nur retten, wenn wir lieben! Für solche Sätze wird man ausgelacht. Man hat uns keine Liebe beigebracht. Nur ziemlich müde schon gemacht."
    Eingängiger, indes voll grimmig sezierenden Humors sind die Hit verdächtigen Songs "Virus", "Moderner Fünfkampf" und "Plastikpuppenboy". Mit solch schräg fluffigen Ohrenschmeichlern aus der Säureküche bekommt man am Ende sogar die jeweils verspottete Zielgruppe aufs teuflisch glatte Parkett.
    Bei so viel halsbrecherischer Sinnlichkeit verwundert es an dieser Stelle höchstens noch sehr träge Geister, dass der 'Heilige Heinz' auch als romantisierender Eros und Lobsänger holder Weiblichkeit eine mehr als gute Figur abgibt. "Ich Werd' Immer Etwas Finden" spielt geschickt mit dem altbekannten Minne-Aufzählreim, den schon Cohen anno 1987 auf "I'm Your Man" perfektionierte.
    Nun, es würde mir beileibe nicht schwer fallen, noch weitere 17 Seiten über die gleiche Anzahl dieser Stromlieder zu schreiben: Dies ist eine der beeindruckendsten Singer/Songwriter-Scheiben, die ich je gehört habe. Solch ebenso talentierte wie kompromisslos subversive Künstler braucht jeder Landstrich. Dringend. 
    laut.de, Ulf Kubanke, 2/2011

  • "Kritik an Gier und Unverstand
    Berlin. Er ist wieder unterwegs. Der Liedermacher Heinz Ratz ist 1000 Kilometer gewandert, von Konzert zu Konzert, um Geld für Obdachlose einzuspielen. Er ist 850 Kilometer geschwommen zugunsten des Naturschutzes. Jetzt hat er ein paar tausend Kilometer auf dem Rad vor sich, besucht Flüchtlingsheime und will auf Konzerten Asylsuchende zusammenbrin- gen mit ihren deutschen Nachbarn, so Ängste und Vorbehalte abbauen. Spendengelder werden an Hilfsorganisationen gehen. Der 1968 geborene Sohn einer Peruanerin indianischer Abstammung und eines Deutschen will sich nicht damit abfinden, dass die Welt so ist, wie sie eben ist. Heinz Ratz glaubt an die Möglichkeit, sie zum Besseren zu ändern. Er nimmt nicht hin, dass wenige immer reicher werden, die meisten aber immer ärmer, dass Umwelt und Menschen zum Teufel gehen. Hartz IV ist bei ihm ebenso wenig Naturgesetz wie die Not in der Fremde. An den Unzulänglichkeiten unserer Welt ein wenig ändern zu wollen – das zieht sich als roter Faden durch all seine Kunstprojekte. Allen voran bei seiner Band „Strom und Wasser“, mit der er seinen „Moralischen Triathlon“ aus Laufen, Schwimmen, Radfahren betreibt. Für die er zuvorderst aber so kritische wie poetische Texte schreibt und Musik macht, die trotz Anspruch aufs Hinhören Spaß erzeugt.
    So wartet das jüngste Album„Mondpunk“ mit rüden Attacken auf Gier und Unverstand auf, entfaltet ein wenig Jazz-Atmosphäre samt kecken Blechbläsern. Ratz erzählt in „Hans Heinrich Eleganz“ ein modernes Märchen vom freundlichen Teufel im Banker-Gewand. Zuweilen reißt er die Gitarren in Rammstein-Manier, scheut sich aber nicht, in sonorer Lässigkeit ganz gelassen „Mein glückliches Lied“ zu singen. Heinz Ratz nötigt zum Nachdenken, verweigert sich als Lieferant belangloser Späße. So reiht er sich ein in die kämpferische Liedermacher-Phalanx von Wecker, Wader, Degenhardt. Seinen leidenschaftlichen Musikstil nennt er „akustischen Skapunkpolkarock“.
    Zum Tanzen treibt er allemal. Die Welt zu ändern, soll Freude bereiten."
    MOZ, 20.01.2011, Gerd Dehnel

  • „Mittlerweile sind „Strom + Wasser” bei ihrem siebten Album angekommen und noch immer ist ihnen der Intelligenzquotient nicht abhanden gekommen. Da wo anderen deutschen Institution langsam aber sicher die Ideen auszugehen scheinen, sind bei den Strom- und Wasserwerkern keinerlei diesbezügliche Ermüdungs-erscheinungen festzustellen. Im Gegenteil: Mastermind Heinz Ratz hat mit „Mondpunk“ einen weiteren denkwürdigen Meilenstein gesetzt. Diesmal hat es ihm also der Mond angetan, als erzwungene Rückzugsbasis für die auf der Erde überflüssig gewordenen Unterschichtler, die Leistungsverweigerer, die Fortgeworfenen – die Punks halt. Von dort würden die dann, so Ratz, in gutgelaunter Anarchie eine Erdinvasion starten. „Mondpunk” ist der äquivalente Soundtrack dazu.
    Was sich Heinz Ratz in bester philosophischer und manchmal auch in etwas weltverbesserischer Manier da wieder aus den Rippen bzw. dem Kleinhirn geschnitten hat, begeistert durch seine offene Direktheit. Er verklausuliert nicht, benutzt keine Metaphern, er bringt die Dinge auf den Punkt. Aus „Im Spiegellabyrith der Lüge": „Die Bildzeitung prägt das Bild dieser Zeit. Saturn sagt, der Geiz sei so geil! Und was völlig Verschiedenes meinen ein Arzt und ein Nazi, sagen sie „heil”. Wenn ein Flüchtlingskind leise „Freiheit” ruft im Angesicht einer MG, meint es bestimmt nicht die Freiheit in der Rede des Außenministers der FDP.” Das ist eine klare Ansage und zugleich Worte, die immer wieder faszinieren. Dazu eine den jeweiligen Umständen angepasste Intelligenzmusik, die von Trash über Reggae bis Jazz variieren kann. Oder auch Samba-Funk, wie im Song „Das Lächeln von Dieter Bohlen“: „Und das bohlige Grinsen nimmt zu. Es ist auf den Werbefotos für jeglichen Mist - Babyersatzmilch, Rüstungskonzern, man leiht sich das Lächeln des Herrn wirklich gern.” Egal wie und wo man Strom + Wasser bzw. Heinz Ratz einordnen mag - Liedermacher, Singer/Songwriter, Antifa-Poet, Deutsch-Rocker - wir können froh sein, daß Kulturschaffende solchen Kalibers überhaupt noch unter uns weilen.“
    sound-and-image.de, 6.1.2011

  • "Die sechsköpfige Truppe um Sänger und Bassist Heinz Ratz arbeitet viel mit Keyboards, Saxofon, Querflöte, Percussion und Schlagzeug und hie und da mit Xylophon und Gitarre, und sie nennt ihre Musik treffend "akustischer Randfiguren-Skapunkpolkarock". Keine Randfigur ist indessen Heinz Ratz, der wie der heisere Punk-Enkel von Konstantin Wecker singt und intelligente, bissige, politische Texte schreibt. Mit seiner Truppe schlägt Ratz in musikalischer Hinsicht die Brücke vom relativ kargen Standpunkt des politischen Liedermachers zum unterhaltsamen Agitprop-Orchester mit Latino-Lockerheit und Ska-Skalierung. In einer Nummer wie "Mein glückliches Lied" fügt sich das alles sogar zur entspannten und unterhaltsamen programmatischen Aussage zusammen. Vor allem aber ist Heinz Ratz ein Mann der starken Worte und langen Texte, der zum Beispiel "Das Lächeln von Dieter Bohlen" thematisiert: "Du lächelst es, wenn einer hilflos ist. Du lächelst es, wenn du der Stärkere bist ..." Nicht nur bei solchen Sätzen wird klar: Strom & Wasser ist die Antithese zu Dieter Bohlen und zu allem, wofür er steht."
    musikwoche.de, Manfred Gillig-Degrave, 1/2011

  • "Es wird mal wieder Zeit, die deutsche Musikszene aus ihrer kuscheligen Selbstbezogenheit herauszuholen. Eine Band, die garantiert nicht mit gefühlsduseliger Innenschau beschäftigt ist, ist die Band Strom & Wasser um den Poeten und Sänger Heinz Ratz. Seit ein paar Jahren schon beweist sie, dass sich politisches Engagement und gute, zuweilen tanzbare Musik nicht automatisch ausschließen. Und für Heinz Ratz gilt ein Haufen Arbeit, wie z.B. ein voller Tourneeplan, noch lange nicht als Ausrede, um mangelndes gesellschaftliches Engagement zu entschuldigen. Mit einem moralischen Triathlon machte er in den vergangenen Jahren von sich reden. Er lief 1000km gegen die soziale Kälte, schwamm für den Artenschutz hunderte Kilometer in deutschen Flüssen und setzt jetzt an zu einer Tour der 1000 Brücken, die am Ende mit 7000 km auf dem Fahrrad zu Buche schlagen wird.
    Im Gepäck hat er ein neues Programm, pünktlich zum Tourneestart erscheint die CD "Mondpunk".
    Wir stellen sie vor, als erste CD der Woche des Jahres 2011, bei Mikado immer zwischen 6-10 Uhr."
    hr-online.de, Imke Turner, 03.01.2011

  • Systemkritik mit viel Rhythmus und Kante
    Konzert: Skapunkpolkarock mit Akustikgitarre: ,,Strom und Wasser" und die starke Stimme Heinz Ratz in der Centralstation Darmstadt. Heinz Ratz klingt völlig anders, als er aussieht. Sein deftiger Gesang lässt an einen massiven Typen denken, gekleidet in Schwarz, vielleicht eine abgewetzte Lederjacke drüber. Doch dann steht da ein stoffeliger Einundvierzigjähriger in Jeans und Sportschuhen, der hinter seinem bauchigen Akustikbass regelrecht schmächtig wirkt. Seine Stimme aber ist das Gegenteil. Rau und charakteristisch schallt das Organ des Kopfs von ,,Strom und Wasser" am Mitt woch abend von der Bühne in den Centralstations-Saal. Einnehmend ist der beherzte Gesang des Kieler Nordlichts in seinem Moritatenseemannsklang, gleichsam brüchig und stark wie Küstenklippen in der Brandung, pointiert und mahnend die Texte ausrufend: ,,Auch die Armut hat Kraft!"
    Viel Kante besitzt auch die Musik, die die wiederholt mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnete Gruppe selbst als ,,Randfiguren-Skapunkpolkarock" bezeichnet. Dass sie es gern perkussiv und rhythmisch treiben, macht schon das mit vielen Mikrofonen abgenommene Schlagzeugset nebst Vibrafon klar. Maria Schneider spielt es ähnlich abwechslungsreich und dynamisch wie auf der anderen Bühnenseite Ingo Hassenstein seine Akustikgitarre, der er eine enorme Bandbreite an Sounds und Tönen entlockt.
    Eher bedrohlich und punkig wirken dazu die Bassläufe von Frontmann Ratz, der passenderweise heißt wie eine Figur aus der antiautoritären Siebziger-Jahre-Kinderserie ,,Rappelkiste" - wohnt doch auch der Musik ein rappelkistenhaftes Ungestüm inne. Das Mitreißende daran ist auch der beharrlichen Taktung zu verdanken: Schlagzeugschläge, Gitarrenriffs, Bassläufe, Textrhythmus - alles marschiert zusammen wie in einer Musikereinheitsfront, die ein gemeinsames Ziel verfolgt: die Botschaft griffig zum Klingen bringen.
    Leider ist es schwer, den engagierten Texten zu folgen, die Heinz Ratz zu der flotten Musik oft im Schnellsprechmodus her unterrattert. Das ist umso bedauerlicher, als der einst auf der Straße lebende Querdenker, Pazifist und Antirassist etwas zu sagen hat. Viel davon packt er in die ausgiebigen Plaudereien, die zwischen den Stücken für Belustigung im Publikum sorgen. Einmal versucht er gar, wie James Brown zu tanzen - freilich nur zur Verhohnepipelung der Präsidenten dieser Welt. So unterhaltsam kann Systemkritik sein.
    Darmstädter Echo |  lex23 | 23. April 2010

Presse CD Emotionsdesign

  • Systemkritik mit viel Rhythmus und Kante
    Konzert: Skapunkpolkarock mit Akustikgitarre: ,,Strom und Wasser" und die starke Stimme Heinz Ratz in der Centralstation Darmstadt. Heinz Ratz klingt völlig anders, als er aussieht. Sein deftiger Gesang lässt an einen massiven Typen denken, gekleidet in Schwarz, vielleicht eine abgewetzte Lederjacke drüber. Doch dann steht da ein stoffeliger Einundvierzigjähriger in Jeans und Sportschuhen, der hinter seinem bauchigen Akustikbass regelrecht schmächtig wirkt. Seine Stimme aber ist das Gegenteil. Rau und charakteristisch schallt das Organ des Kopfs von ,,Strom und Wasser" am Mitt woch abend von der Bühne in den Centralstations-Saal. Einnehmend ist der beherzte Gesang des Kieler Nordlichts in seinem Moritatenseemannsklang, gleichsam brüchig und stark wie Küstenklippen in der Brandung, pointiert und mahnend die Texte ausrufend: ,,Auch die Armut hat Kraft!"
    Viel Kante besitzt auch die Musik, die die wiederholt mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnete Gruppe selbst als ,,Randfiguren-Skapunkpolkarock" bezeichnet. Dass sie es gern perkussiv und rhythmisch treiben, macht schon das mit vielen Mikrofonen abgenommene Schlagzeugset nebst Vibrafon klar. Maria Schneider spielt es ähnlich abwechslungsreich und dynamisch wie auf der anderen Bühnenseite Ingo Hassenstein seine Akustikgitarre, der er eine enorme Bandbreite an Sounds und Tönen entlockt.
    Eher bedrohlich und punkig wirken dazu die Bassläufe von Frontmann Ratz, der passenderweise heißt wie eine Figur aus der antiautoritären Siebziger-Jahre-Kinderserie ,,Rappelkiste" - wohnt doch auch der Musik ein rappelkistenhaftes Ungestüm inne. Das Mitreißende daran ist auch der beharrlichen Taktung zu verdanken: Schlagzeugschläge, Gitarrenriffs, Bassläufe, Textrhythmus - alles marschiert zusammen wie in einer Musikereinheitsfront, die ein gemeinsames Ziel verfolgt: die Botschaft griffig zum Klingen bringen.
    Leider ist es schwer, den engagierten Texten zu folgen, die Heinz Ratz zu der flotten Musik oft im Schnellsprechmodus her unterrattert. Das ist umso bedauerlicher, als der einst auf der Straße lebende Querdenker, Pazifist und Antirassist etwas zu sagen hat. Viel davon packt er in die ausgiebigen Plaudereien, die zwischen den Stücken für Belustigung im Publikum sorgen. Einmal versucht er gar, wie James Brown zu tanzen - freilich nur zur Verhohnepipelung der Präsidenten dieser Welt. So unterhaltsam kann Systemkritik sein.
    Darmstädter Echo |  lex23 | 23. April 2010

  • "Konstantin Wecker ist ja längst voll des Lobes auf die künstlerische Unbestechlichkeit und die gefährliche Lebenslust der Band um den charismatischen Heinz Ratz. Aber jetzt müssen Sie sich wirklich warm anziehen, werter Leser und potentieller Hörer: Denn Deutschland’s ohnehin schonungsloseste Gesellschaftskritiker zünden die nächste Stufe und präsentieren ihr bislang radikalstes Songpotpourri. Mittels Folk und Punk, Kabarettund Polka, Walzer und Rock wird hier so reichlich wild-fröhliche Anarchie überden Hörer gekippt wie noch nie. Extrem derbe Zeilen wie sie etwa der bissigeTitelsong präsentiert, werden jede Radiooption naturgemäß imKeim ersticken. Wer’s hören will muss also weiterhin eines der zahlreichenKonzerte der Band besuchen (wie kürzlich in Saarbrücken) oder ihre CDs kaufen." alh
    Saarbrücker Zeitung, 23.7.09

  • "Polit-Pop – Heinz Ratz singt, wo der Linken der Schuh drückt
    » Ihr Politiker redet goldene Worte/ doch im Grunde seht ihr nur immer das Geld« –zwei Zeilen reichen, um den Wiedergänger der Protestliedbewegung auch historisch einzuordnen. Heinz Ratz absolviert das ganze Programm des Politrockers: Er wettert gegen Politiker ("Das Raubtier von heute") und beklagt das Konsumverhalten der vermeintlich Alternativen ("Rios Herz"), er lästert über Fortschrittsgläubigkeit ("Alles besser 2085") und besingt das Ende der Welt ("Das Lied von der sterbenden Erde"). Damit singt Ratz an, wogegen schon viele vor ihm angesungen haben. Er findet dafür zwar keine differenzierteren, aber immerhin neue Bilder und Reime – und er spricht seine Anliegen nicht immer so direkt an.
    Seine Musik kann genauso begeistern wie seine oft sarkastischen Texte: "Rios Herz" ist ironisch entspannt, "Ein Fleckchen Anarchie" beschwingt und "Haut an Haut" mit seinem dezent funkigen Auftakt bringt ein Jazz-rockiges Gitarrensolo. "Berlin noir" passt mit seinem eindringlich-schwerfälligen Rhythmus auf die Kleinkunstbühne wie das Liebeslied "Alles weiter weg als du", und mit "Alles besser 2085" bringt er sogar ein flottes, leicht nostalgisch klingendes A-Capella-Stück.
    Heinz Ratz klingt wieder angriffslustig und rabiat, aber auch einfühlsam und voller eigenwilligem Humor. [noi: @@@@]"
    schallplattenmann.de, 22.6.2009

  • "Auch nach fünf Jahren Strom & Wasser kann man sich an diesen Bandnamen nur schwer gewöhnen. Was hat Energiegewinnung mit Pop-Musik zu tun? Nun, Heinz Ratz, Bassist, Sänger und Kreativzelle der Kombo ist ein Energiebolzen par excellence und ein wirrer Kopf zugleich. Wenn er deutsche Texte schreibt, bleibt kein Auge trocken und kein Thema tabu. Ein sozialistischer Anarcho, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Auch sein neuestes „Emotionsdesign”, bestehend aus 16 Einzelteilen, versorgt den erwartungsfrohen Konsumenten wieder mit genügend Anschauungsmaterial, das dem Leben zwischen Müllabfuhr und Sozialabbau entnommen wurde. Ratz klingt wie ein Penner, der Philosophie studiert hat. Derb in der Ausdrucksweise, scharfsinnig in der Gedankenumsetzung. Die musikalische Unterstützung vielseitig gefächert, von Salsaklängen über Rumpelbeats bis hin zu elektronischem Schnickschnack. Keyboards, Saxophon, Cello, Geige, singende Säge – alles dabei und sehr gut austariert. Das wichtigste aber ist und bleibt Ratzens Textarbeit. Poesie am Abgrund, provozierender Kabaret-Geist – das radikale Gegenstück zum Schlagerklamauk. Nichts zum Nebenbeihören. Hier ist ein spitzes Gehör gefragt, das bei etwaigem Versagen auf ein gut strukturiertes Booklet zurückgreifen kann."
    www.sound-and-image.de, Juni 2009

  • "Musik ist eine schöne Brücke zum Herzen. Man kann grausame Wahrheiten viel schöner verpacken", meint der Autor und Liedermacher Heinz Ratz. Getreu diesem Grundsatz befördern seine Texte all jene Dinge aus den Abgründen unserer Gesellschaft, die wir normalerweise nur ungerne eindringlicher betrachten. Mit heiserer Stimme, die bisweilen an das Timbre eines Tom Waits erinnert, hält er uns gnadenlos den Spiegel vor. ... mehr "
    www.laut.de

  • "Kieler Autor und Musiker Heinz Ratz startet morgen den zweiten Teil seines „Triathlons der neuen Werte“
    „Ich glaube an Veränderbarkeit“ Kiel - „Der Rhein ist der Schlimmste“, auch die Elbe in Magdeburg sei „sehr gefährlich“, aber „auf die kleinen Flüsse freu' ich mich“, sagt Heinz Ratz. Am 20. Mai startet der Autor und Musiker aus Kiel eine Schwimmtour durch Deutschland, wird in 52 Städten Konzerte gemeinsam mit bekannten Künstlerkollegen zugunsten regionaler Artenschutzprojekte geben. ... mehr"
    www.kn-online.de

  • "Auf keine Band scheint der Begriff "kompromisslos" so sehr zuzutreffen, wie auf Strom & Wasser. Nicht nur die versierten Musiker rund um den Sänger und Bassisten Heinz Ratz, die mit müheloser Leichtigkeit Mambo und Punk, Walzer, Polka und Rock zu verbinden wissen, nicht nur die Elementargewalt der Texte, sondern auch ihr politisches Engagement überzeugt.
    Ihre Aktionen gegen die wachsende Macht der NPD wurden bis in den Bundestag hinein diskutiert ? die Konzertreihe "Lauf gegen die Kälte" bei der Frontmann Heinz Ratz im letzten Winter zugunsten von Obdachlosen 1000 km zu Fuß durch Deutschland lief, ist nur eines von vielen Beispielen. 2006 wurden sie mit dem Förderpreis der Liederbestenliste ausgezeichnet, 2007 mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik. Nun stellen sie ihr neues Album "Emotionsdesign" vor. Ein musikalisches Feuerwerk, fröhlich-anarchisch, wild und nachdenklich, provozierend und erfrischend. Das ist musikalisch und textlich von wohltuender Schärfe und Klarheit, das ist witzig, politisch und anspruchsvoll, zwischen Kabarett, Punk und Poesie angesiedelt: kein Wunder also, daß sich diese Band, jedem Mainstream trotzend, einer stetig wachsenden Fangemeinde erfreut."
    www.dasfachblatt.de

  • "Heinz Ratz und seine Band scheinen im vor sich hinschimmelnden Hipness-Diskurs völlig aus der Zeit gefallen zu sein: Während man den pop-politischen Indie-Geschmackskonsensenmännern immer wieder wohlwollend Gehör und kulturellen Kredit gibt, geht er putzen und hackeln: Aktionen und Konzerte gegen die NPD, im letzten Winter 1.000 km zu Fuß durch Deutschland für Obdachlose gelaufen, diesen Sommer will er 1.000 km durch Flüsse schwimmen und Spenden sammeln für Artenschutzprogramme (unter anderm mit einem Benefizkonzert am 8.6. im Zakk). Eher uncool, Leute, was? Nur leider integer, kompromisslos und direkt am Puls der Zeit. Denn Ratz schert sich nicht um die schicken Texte und Kontexte - er macht einfach. "Weil man gar nicht mehr versucht, die Gründe für Unrecht und Elend und Gewalt zu finden und zu beseitigen. Weil man statt dessen nur noch ‚Design' betreibt: Die Welt ist fest in der Hand der Werbe- und Medien-, der Gedanken- und Gefühls-Designer. Und sie alle sorgen dafür, dass diejenigen, die es sich leisten können, die Möglichkeit haben, sich bequem zurückzulehnen und ihr Leben zu genießen, ohne von denen gestört zu werden, die hinter den goldenen Fassaden zerbrechen und zu Grunde gehen." Die 16 neuen Stücke rumpeln und pumpeln ohne zu kumpeln, der Mond hängt mal wieder in der Gosse und auch Herr Reiser ist nicht fern. Anarchie zwischen Konkretion und Poesie, diese Mischung trauen sich viele aus Coolheitsgründen schon längst nicht mehr."
    www.terz.org, Mai 2009

  • "Zuletzt lief er beim ,,Lauf gegen die Kälte" von Dortmund nach München (zugunsten von Obdachlosen), jetzt will er 1.000 Kilometer durch deutsche Flüsse schwimmen (zugunsten von Artenschutzprojekten): Heinz Ratz, Sänger, Bassist und Texter der Berliner Band Strom & Wasser, macht handgreiflich vor, dass Engagement nicht bei Songtexten enden muss. Auch seine Band hat einen musikalischen Reifeprozess hinter sich: Was immer ein bisschen wie eine Straßenköter-Ausgabe von Element of Crime klingt, wird mittlerweile mit 0uerflöte, Oboe, Cello oder singender Säge aufgepeppt. Dabei sind Strom&Wasser nach wie vor zwischen Punk, Folk und Kleinkunst angesiedelt und Ratz' Texte sind wohltuend direkt, oft aggressiv, aber dies nie (nur) um des Effekts willen. Nur seine Stimme, die ist immer noch gewöhnungsbedürftig: irgendwo zwischen Herbert Grönemever, Joachim Witt und Tom Waits." (rt)
    blue rhythm, Juni 2009

Presse CD Farbengeil

  • Strom & Wasser - Farbengeil
    "Farbengeil" ist das bereits vierte Album von Strom & Wasser rund um Sänger Heinz Ratz, und weiterhin lebt die Band ihr Motto "Willst du ein bisschen spannender leben dann musst du Strom ins Wasser geben" aus.
    Heinz Ratz, Sänger und Komponist der Band Strom & Wasser, ist ständig in Bewegung. Mit Mitte dreißig ist er bereits 47 mal umgezogen, wohnte in Peru, Argentinien, Spanien, Saudi-Arabien und Schottland, lebte als Totalverweigerer und Obdachloser, flog aus allen sechzehn Schulen, Heimen und Internaten, und brach die Schauspielschule ab, um seinen eigenen Weg zu gehen. Anfang des Jahres 2008 startete er seinen "Lauf gegen die Kälte" gegen den Sozialabbau in Deutschland, "die", wie Ratz erklärt, "immer härtere Gangart, die in unserer geldorientierten Gesellschaft herrscht und ein wachsendes Gefälle zwischen Arm und Reich bewirkt."
    Keine leichte Kost, aber die Sorgen sind wir los
    Ein Album, das der Band den Preis der deutschen Schallplattenkritik (Bestenliste 1-2008) bescherte sowie im Jänner 2008 den Titel "Album des Monats" in der Liederbestenliste Deutschland bescherte. Dort ist das "Lied von der schlafenden Armut" seitdem auch auf den vorderen Rängen zu finden. Konstantin Wecker bejubelt ebenfalls die Band, und schrieb in der Musikzeitschrift Folker!: "Ich glaube, er ist ein verzweifelt Hoffender, der sich ins Absurde rettet, der noch grinst, wenn ihm das Wasser bis zum Hals steht, weil ihm da die besten Verse einfallen. Und er wäre nicht so kämpferisch, wenn er nicht voller Hoffnung wäre auf eine gerechtere Welt, er würde sich nicht so einmischen, wenn ihm der Zustand unserer Gesellschaft egal wäre, auch und gerade weil er das ohne Zeigefinger macht." Und, so Wecker abschließend: "Seit ich ihn entdeckt habe, mach’ ich mir keine allzu großen Sorgen mehr um die Zunft der deutschsprachigen Liedermacher." Aber Vorsicht: Leicht öffnet sich die Band nicht, man braucht schon etwas Geduld, um Gefallen an den Liedern zu finden. Die gewöhnungsbedürftigen Elemente resultieren sicherlich daraus, dass Strom & Wasser, ähnlich wie Tom Waits, mit konventionellen Instrumenten sehr ungewöhnliche Wege beschreitet und, wie der amerikanische Sänger, ihre ureigenste Musikvision umsetzen. Zudem ist die Gesangsstimme von Heinz Ratz ein Spiegel in die Abgründe und in die Kanalisationen, die große Lyrik, und jetzt muss man Brecht erwähnen, ausspeit, ohne Lehrer sein zu wollen, sondern sich vielmehr, mitunter maskiert, aus der Vogelperspektive beobachtet und urteilt.
    Am Steuer stehen Blinde
    17 Lieder packt Heinz Ratz auf "Farbengeil", darunter mit "Die große Mondpolka" den besten Tom Waits-Song seit etlichen Jahren. Ratz und der Mond tauschen dabei deren Identität, "Er gab mir seine Krawatte/Er gab mir sein silbriges Licht/Ich gab ihm den menschlichen Körper/und mein zerbeultes Gesicht." Ganz groß auch das bereits erwähnte "Lied von der schlafenden Armut" mit einer Textkraft und Wucht, wie man sie in deutschen Landen in dieser Form schon lange nicht mehr gehört hat. Stark und kraftvoll dabei auch stets die Musik, die, befreit von allen modischen Zwängen, mit dem Grundgerüst Bass und Schlagzeug plus mit wechselnden Instrumenten wie Cembalo, Marimba, Klavier, Gitarre, Flöte in die Tiefen von Folk, Rock, Punk, Urschrei und Balladen abtauchen. Mein Lieblingslied, neben der Mondpolka, ist das Lied "Kreuzfahrt ins Nichts", eine thematische Annäherung an "Blinder Passagier" von Rio Reiser. Ratz bettet hier ungemein gekonnt Versatzstücke von "Wot (I Say Captain)" – dem einzigen Hit von Captain Sensible – ein und liefert darüber hinaus mit der Textzeile "Im Meer der Außenpolitik/im Meer der Innenpolitik/toben fürchterliche Winde/Und am Steuer stehen Blinde!" wohl den Vers des Jahres ab.
    Das zärtliche krepiert
    Zwei weitere Höhepunkte befinden sich am Beginn des Albums. Im Einstiegslied "Fütter Deinen Teufel", gewürzt mit dem Engelsgesang von Maria Schneider und dem verführerischen Bratsche-Spiel von Kay Braun, jagt Ratz hier im Zwiegespräch/-gesang, bzw. Word-Rap durch die deutschen Städte und liefert Head-Lines für u. a. Whisky, Partys, Pornos und Drogen. Ein Knaller und Knüller gleichermaßen auch das darauf folgende "Das Märchen von Mr. Calamachi" über Porno-Rap und Bushido: "Und Bushido singt von Fotzen/und Bushido singt von Krieg/und die Plattenfirmen feiern einen leicht errungnen Sieg/[…]/Und man feiert die Verachtung/die in seinen Texten steckt/[…]/Und natürlich ist er dämlich/und nur künstlich produziert/aber trotzdem trägt er dazu bei/dass Zärtliches krepiert". Strom & Wasser ist nur selten versöhnlich, diese wenigen Momente sind dafür umso genussvoller, so wie in "Das kleine Chaos", einem leisen Aufruf zu mehr Mut im Leben, und vor allem wie im letzten Lied des Albums, "Das ganz große Wort", einem Liebeslied voller Sehnsucht und Sanftheit. Ein großer, farbengeiler, Wurf einer großen Band. (Manfred Horak)
    Musik: @@@@@
    Klang: @@@@
    www.kulturwoche.at

  • "Liedermacher mit Begleitband – Gesellschaftskritik, sprachmächtig und furios
    Der explizit Schwächen benennende politische Liedermacher war eine Modeerscheinung der 1970er Jahre. Die »singenden Sozialarbeiter« starben zwar nicht aus, verloren aber an Bedeutung. Politische Kritik wurde vor allem ein Fall für das von der Comedy zurückgedrängte Kabarett. Ausnahmen, das ist klar, bestätigen die Regel.
    Heinz Ratz ist einer derjenigen, die auch heute noch direkt singen, was sie von der gesellschaftlichen Entwicklung halten, die einen der realen Kriege meinen, wenn sie das Wort Krieg in den Mund nehmen, und die ohne platt und hilflos zu wirken zwischen oben und unten unterscheiden. Die Werbebilder zeigen ihn als Liedermacher mit geschulterter Gitarre. Doch mit seiner versierten Begleitband bietet er viel mehr als folkige Gitarrenbegleitung. Modern ist er damit trotzdem nicht, und modisch schon gar nicht. Die Lieder werden nicht punkig oder unkonventionell dargeboten, sondern auf konventionelle Art originell. Das wirkt besser, wenn sie an die Kleinkunst der Weimarer Republik erinnern und etwas weniger gut, wenn sein betulicher Flötist an Jethro Tull denken lässt – aber das kommt nur recht selten vor." [noi: @@@@]
    schallplattenmann.de, 11.2.2008

  • RedeZeit im WDR 5-Radio zum Mitnehmen
    Moderation Thomas Koch, Studiogast: Heinz Ratz.
    Vor gut einer Woche ist er gestartet, zu einer Konzerttour der besonderen Art. Mit einem "Lauf gegen die Kälte" will Heinz Ratz ein Zeichen setzen : "Gegen den Sozialabbau in Deutschland, die immer härtere Gangart, die in unserer geldorientierten Gesellschaft herrscht und ein wachsendes Gefälle zwischen Arm und Reich bewirkt." >Die "längste Demo der Republik" dauert vom 22.Januar bis zum 22. Februar. Einen Monat lang zieht Heinz Ratz durch 20 Städte von Dortmund bis München. Und zwar zu Fuss! Abends lädt Moderation Thomas Koch, Studiogast: Heinz Ratz. Vor gut einer Woche ist er gestartet, zu einer Konzerttour der besonderen Art. Mit einem "Lauf gegen die Kälte" will Heinz Ratz ein Zeichen setzen : "Gegen den Sozialabbau in Deutschland, die immer härtere Gangart, die in unserer geldorientierten Gesellschaft herrscht und ein wachsendes Gefälle zwischen Arm und Reich bewirkt." >Die "längste Demo der Republik" dauert vom 22.Januar bis zum 22. Februar. Einen Monat lang zieht Heinz Ratz durch 20 Städte von Dortmund bis München. Und zwar zu Fuss! Abends lädt er ein, zu Konzerten mit seiner Musik und z.T. bekannten Künstlern, die ihn unterstützen. Die Einnahmen dieser Tournee kommen Menschen zu Gute, die auf der Straße leben - so wie Heinz Ratz das selbst ein Jahr lang erlebt hat. © WDR 2008er ein, zu Konzerten mit seiner Musik und z.T. bekannten Künstlern, die ihn unterstützen. Die Einnahmen dieser Tournee kommen Menschen zu Gute, die auf der Straße leben - so wie Heinz Ratz das selbst ein Jahr lang erlebt hat. © WDR 2008
    http://www.podster.de/episode/514159

  • "Als Heinz Ratz & Mitstreiter mit Konstantin Wecker unter dem Motto "Nazis, raus aus unserer Stadt" im Frühjahr 2006 auf Tour durch den Osten gingen, kündigte die NPD in Halberstadt ihre "aktive Teilnahme" am Konzert an. Ergebnis: das Konzert wurde vom Landratsamt verboten, und auch in Hoyerswerda waren die Liederkracher unter diesem Titel nicht erwünscht, Begründung: Bei uns gibt's keine Nazis. Ratz machte weiter, und ist - nach überstandener Krebserkrankung - mit dem neuen Album stärker da denn je. Keiner macht derzeit in diesem Land derart politische Lieder ohne aufgesetzter Gefühlig- und Jammrigkeit, dafür mit unglaublich viel Sprachwitz und direkter Poesie. Das ist vielen Hamburger-Schule-Lads nicht hip und schick genug, Indie ist es schon mal gar nicht, dafür mutig und zeitlos. Ratz zerknackst nach cooler Brecht'scher Manier Bushidos Pornorap, tauscht mit dem Mond die Rollen, schreibt für ein schwerbehindertes Kind und pirscht sich im kratzigen Tom-Waits-Stil an die ganz großen Gefühle ran. Diese Musik spiegelt sich wie der Mond in der Gosse - großartig."
    www.terz.org, 12/2007

  • "Heinz Ratz, die treibende Kraft von Strom & Wasser, gehört zu den bemerkenswertesten Liedermachern des Landes und wird von Konstantin Wecker verehrt. Der in Kiel lebende Radikalpoet schlägt sich mit großer Reimakrobatik und makaberem Wortwitz auf die Seite der ewigen Verlierer. Dazu spielt seine Band eine knallbunte Mixtur aus apokalyptischer Volksmusik, Tango, Polka, akustischem Punk und Jazz." (sn)
    MOPO Hamburg, 22.11.2007

  • „Seit ich Heinz Ratz kenne, mache ich mir keine Sorgen mehr über die Zunft der deutschen Liedermacher!“, sprach Konstantin Wecker unlängst. Und tatsächlich gibt es guten Grund für Hoffnung auf diesem Gebiet. Strom & Wasser, deren Sprachrohr Heinz Ratz man mit Fug und Recht einen Radikalpoeten schimpfen kann, sind die Förderpreisträger der Liederbestenliste 2007 und haben eben die vierte Ausgabe ihres „Skapunkpolkarock“ unter dem Namen „Farbengeil“ veröffentlicht. Nicht nur, dass Heinz Ratz eine Wut in sich trägt, die er in politischen und gar nicht zimperlichen Texten ausdrückt - egal, ob es um behinderte Kinder, um unsere gesättigte Kapitalistengesellschaft oder um seine eigene Krebserkrankung geht –, auch die Band und die Musik ist mit ihrem Akustikrock, Tango, Walzer und Polka so weit entfernt vom Gähnstream unserer Tage, dass man sich gerne auch länger mit dieser Platte beschäftigt.
    www.titel-forum.de, Tina Manske, 22.11.2007

  • Förderpreisträger der Liederbestenliste 2007:
    Strom & Wasser

    Konstantin Wecker schreibt in der aktuellen Ausgabe der Musikzeitschrift Folker! über Heinz Ratz/Strom & Wasser dazu:

    "Ist Heinz Ratz ein „dunkler Dichter“, wie er sich in seinem Gedicht „Der Absturz“ beschreibt, ein stürzender Ikarus, der den Himmel, den er nicht mehr Himmel nennen mag, in Stücke brechen will? Oder zeigt er uns etwas vom Himmel in seiner schaurig-schönen Poesie, am Abgrund aller guten Gründe?
    Ich glaube, er ist ein verzweifelt Hoffender, der sich ins Absurde rettet, der noch grinst, wenn ihm das Wasser bis zum Hals steht, weil ihm da die besten Verse einfallen. Und er wäre nicht so kämpferisch, wenn er nicht voller Hoffnung wäre auf eine gerechtere Welt, er würde sich nicht so einmischen, wenn ihm der Zustand unserer Gesellschaft egal wäre, auch und gerade weil er das ohne Zeigefinger macht. Und wie er sich einmischt! Er singt auch da, wo's wehtut, in Clubs, die jeden Moment damit rechnen müssen, von rechtsradikalen Hohlköpfen aufgemischt zu werden, und er wird auch dann nicht plakativ und polemisch. Bei all seiner Begabung zum zynischen Gestus, ich spüre immer wieder aus seinen Texten, wie er die Menschen liebt, manchmal denk' ich sogar, dass er das nicht nur vor uns, sondern auch vor sich selbst nicht so recht zugeben will.
    Ab und zu mailt er mir neue Gedichte – er scheint aus einer nicht versiegenden Quelle zu schöpfen –, und nie habe ich das Gefühl, dass er sich erschöpft oder wiederholt. Sein einziges Problem als Autor ist: Er kann anscheinend keine schlechten Gedichte schreiben. Selbst, wenn mich ein Thema mal nicht so anspricht, es ist immer eine überraschende Wendung, ein gelungenes Bild dabei, das den Text lesenswert und anrührend macht. Das ist manchmal qualitativ – im positiven Sinne – so meilenwert entfernt von den Werken mancher wohlmeinender Kollegen, dass man sich fragt, ob der Mann nicht von einem anderen Stern kommt. Oder aus einem anderen Jahrhundert. So neu seine musikalische Gestaltung, seine Art aufzutreten ist, so unmodern und zeitlos ist er in seiner Reimkunst. Wer Kästner liebt hat seine helle Freude an Ratz. Der innere Rhythmus seiner Lieder holpert nie, ist stilsicher und schreit regelrecht nach Vertonung. Die steht oft scheinbar im Widerspruch zu den Texten, und das macht die Songs von Strom & Wasser gerade deshalb so eindringlich. Obwohl sich Heinz hemmungslos aller möglichen musikalischen Stile bedient, schafft er es, unverkennbar Ratz zu bleiben. Ist es seine Stimme, die nicht allzu wandelbar ist, aber immer authentisch und manchmal ganz schön unter die Haut geht? Ist es seine ganz und gar unkonventionelle Behandlung des E-Basses, den er eher wie ein Melodieinstrument einsetzt, denn als musikalisches Fundament?
    Die Presse schreibt zu Recht von ihm als einem begnadeten Bühnentalent, vor allem, weil er auch aus einem nicht zu versiegen scheinenden Fundus an Geschichten zu schöpfen vermag, Geschichten, die er nie gleich, aber immer klug formuliert zu erzählen versteht. Die Offenheit, mit der er mit seiner schweren Krankheit umgeht, ist atemberaubend. Kein weinerlicher Ton ist in diesen Erzählungen, fast schon erschrecken sie den Zuhörer durch ihre klare Analyse. Dabei bleibt Heinz Ratz immer poetisch, ohne ein Grundprinzip der Poesie aus den Augen zu verlieren: verschiedene Wirklichkeiten zu verknüpfen und keine gegen die andere auszuspielen, Gegensätze zu provozieren, um sie darauf wieder miteinander auszusöhnen, und bunt und vielfältig zu sein und differenziert, wo die so genannte Realität schwarz-weiß denkt und moralisiert.
    Der österreichische Philosoph Konrad Paul Liessmann schreibt: „Die Kunst ist nicht der Ort, an dem das Außergewöhnliche passiert, sondern an dem das in jeder Hinsicht Unzulängliche Ereignis werden kann.“ Ein Ort also, in dem durch die ästhetische Darstellung etwas aufleuchtet, was die Unzulänglichkeit, die Begrenztheit und die Unvollkommenheit unseres Handelns und Denkens übersteigt. Heinz Ratz ist vielleicht deshalb so ein wichtiger Künstler, weil bei ihm dieses Goethe'sche Unzulängliche zum Ereignis wird. Er macht sich und uns keine große Kunst vor, und ist gerade deshalb ein großer Künstler. Seit ich ihn entdeckt habe, mach' ich mir keine allzu großen Sorgen mehr um die Zunft der deutschsprachigen Liedermacher."
    www.folker.de, 11/2007

  • "Wenn man seine Musik hört, beschleicht einen vieles, vor allem aber das soziale Gewissen. Es müsste viel mehr Lieder geben, die im Wohnzimmer und in der Kneipe funktionieren, ohne die Leute zum doofen Mob zu machen. Heinz Ratz, Sänger, Bassist und Radikalpoet von Strom & Wasser, ist ein reflektierter Widerständler, der den Protest in wohlfeile Worte packt.
    Ungehobelt und provokativ, aber stets mit Bonmots und politischer Standhaftigkeit veredelt. Er bohrt den Zeigefinger brennend in die Wunde, ohne ihn zuvor mahnend erhoben zu haben. Eine gekonnte Gratwanderung.
    In der Pumpe gibt es keine zwei Meinungen. Ein Teil der Zuschauer hat es sich auf dem Boden vor der Bühne gemütlich gemacht. Die friedlich-solidarische Atmosphäre eines Kirchentags weht durch den Saal, im krassen Widerspruch zum Inhalt der Lieder, mit denen die Formation ihr mittlerweile viertes Album Farbengeil veröffentlichte. Auch bei Sven Panne saßen sie schon im Sitzkreis, lauschten den Rockchansons des Hamburgers am Klavier. Ein wenig Sven Regener kommt stimmlich durch, oder auch Rio Reiser, geerdet vom sportlich-agilen Tastendrücken. Kein e Wunden – keine Feuer heißt eines der Lieder, in dem Panne von einer verflossenen Liebe singt, die ihm nicht aus dem Kopf geht. So flüchtet er sich in Träume, denn wenn es nach ihm ginge, heilte die Zeit keine Wunden und löschte keine Feuer. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, und wer mehr davon hören möchte, sollte Anfang nächsten Jahres zum Konzert ins Prinz Willy kommen.
    Strom & Wasser springen anschließend mühelos und ohne jeden Respekt von Walzer zu rasantem Ska-Punk, von Akustikrock zu Tango. Ein stilistisches Mosaik, geknüpft zu einem fliegenden Patchwork-Teppich, mit dem man den alltäglichen Schmu aus luftiger Distanz betrachten könnte. Denn in einer Zeit, in der das reichste Zehntel der Bundesbürger über zwei Drittel des Gesamtvermögens besitzt, müssen sich Typen wie Heinz Ratz engagieren. Im Januar und Februar 2008 wird er konzertierend von Dortmund nach München laufen, um auf die Not der Obdachlosen hinzuweisen. An diesem Abend begleiten ihn Fee Stracke mit flinken Fingern am Piano sowie der noch genialere und verspielte Schlagzeuger Benny Greb. Rhythmen und Tempi sind keine Parameter, an denen sich das Publikum festhalten kann.
    Alles ist im ständigen und abrupten Wechsel begriffen. Anhand der zahlreichen Genres lässt sich die musikalische Bandbreite erahnen, wodurch sich der Sound auch von den drei großen Liedermacher-W's (Widmann, Wecker, Wader) abhebt. Tiefsinnig und mit rauchigem Timbre beklagt Sympathieträger Ratz Das Lied von der Elbe und macht auch keinen Hehl aus seinen Abneigungen, wenn er den CDU-Tango als Anti-Merkel-Hymne tanzt oder Panzerfahrer Jupiter als willfährigen Super-Soldaten entblößt. Aber man ändere ja eh meistens erst etwas, wenn es schon zu spät sei. Denn dafür muss man über den eigenen Schatten springen. Eine schwierige Übung."
    Kieler Nachrichten, 12.11.2007, Henrik Drüner

  • "Mit zwei Jahren ein Sprung in die Jauchegrube, danach sechzehn Schulwechsel und ungefähr doppelt so viele Umzüge. Peru, Saudi-Arabien und Waldshut im Hotzenwald sind die exotischsten Stationen, Karlsruhe eine der gewöhnlicheren –, so gestaltete sich das frühe Leben von Heinz Ratz. Das prägt. Und so ist "Farbengeil" (Traumton Rec.), das neue Album von Ratzens Band Strom & Wasser, noch bunter und wilder als die drei zuvor, dabei radikalpoetisch, wunderbar respektlos und musikalisch wie textlich immer gut zu hören. Um es in eine stilistische Schublade zu packen, ist es allerdings bei allem guten Willen zu sperrig – und dabei doch längst mehr als nur ein Geheimtipp für jeden, dessen Musikgeschmack jenseits des Mainstreams angesiedelt ist." -bes
    INKA, 24.10.2007

Presse CD Gossenhauer

  • "Interview mit Heinz Ratz anlässlich des Antifa-Konzerts in Halberstadt
    Musik als Brücke zum Herzen"
    Von Emma Weiß
    Ganzer Beitrag -> Neue Rheinische Zeitung, 4.7.2006

  • "Strom & Wasser, die Band des Punk-Poeten, musikalischen Kabarettisten und Bassisten Heinz Ratz (mit Gitarrist Pensen, Pianistin Fee Stracke und Trompeter Steffen Paul), spielt laut eigenen Angaben "akustischen Randfiguren-Skapunkpolkarock" - und das stimmt auch so. Heinz Ratz ist ein Liedermacher der extremen Art, und seine Band Strom & Wasser bietet auf ihrem dritten Album "Gossenhauer" wieder einmal ihren unikaten Mix aus "apokalyptischer Volksmusik" und "Akustik-Punk" mit Ska-, Reggae-, Polka- und Tango-Elementen. Für die soliden Grooves sorgt Drummer Benny Greb, der es versteht, das wilde musikalische Kabarett des Heinz Ratz rhythmisch adäquat zu inszenieren, besonders gelungen bei den Liedern "Panzerfahrer Jupiter", "Mondfrau" und "Mein & Dein".
    " Strom & Wasser", das sind klasse Musiker und ein moderner Poet, dessen Lieder so provokant wie sensibel, so schwermütig wie lebensfroh sein können, mitunter zudem mit geradezu makabrem Witz gesegnet." (RM)
    Sticks, 6/06

  • "Er bat mich zu sagen, wo es brennt"
    Heinz Ratz und seine Band Strom & Wasser kamen in die Schlagzeilen, als es der NPD in Halberstadt gelang, eines ihrer Antifa-Tour-Konzerte mit Konstantin Wecker zu verhindern. Ein Interview mit dem Liedermacher ->
    www.taz.de, 29.4.2006

  • "Wer die Frage, wie man "die Schwerstverbrecher" nennen sollte, naheliegenderweise mit "Präsident" antwortet und in seinem "CDU-Tango" die "Bundeskanzlerin" in einer Bar aufgabelt, und reimen lässt "ich will nen Zungenkuß, weil ich morgen wieder zu dem Alten muß" hat bei den Regierenden in diesem Land ohnedies sicher nicht das leichteste Standing. Aber was sich das Halberstadter Landratsamt vor wenigen Wochen leistete, als Heinz Ratz mit seinem mal leisen feinen und mal eher gemeinen tanzwütigen Projekt "Strom & Wasser" (Aktuelle CD bei Traumton: Gossenhauer) gemeinsam mit Konstantin Wecker unter dem Motto "Nazis, raus aus unserer Stadt" auftreten wollte und die neofaschistische NPD ihre "aktive Teilnahme" an dem Konzert ankündigt hatte, tut schon richtig weh: der Auftritt wurde de facto verboten, auch in Hoyerswerda waren kritische Lieder unter diesem Programmtitel von der Obrigkeit nicht gewünscht, mit der fast schon tragikomischen offiziellen Begründung, es gebe im Ort keine Nazis. Doch ans Aufgeben denken beide Liedermacher nicht, im Sommer wollen sie zurück nach Halberstadt. Bis dahin ist Ratz, den Wecker gern als einen der "stärksten und eigentümlichsten Talente der jüngeren Generation" bezeichnet, und aus nicht minder verständlichen Gründen lobt, das aus den schwermütigen Texten des Totalverweigerers, ehemaligen Obdachlosen und Hörbuchautoren "gefährliche Lebenslust und makaberer Witz hervorblitzen", solo in Deutschland unterwegs. Seine scharfzüngig formulierten Alltagsbeobachtungen, seine radikale Poesie und seinen Sprachwitz - und damit seinen Kampf gegen grauen Alltag und stumpfer werdende Gesellschaft - untermalt er in musikalischer Hinsicht übrigens mit einer Mischung aus Ska-Punk, Walzer, Tango und Akustik-Rock. "
    kulturkueche.de April 2006

  • "Wer eisern durch alle Ärsche kriecht, der wundert sich, wenn er nach Scheisse riecht ..." – der Song "Hartschalenkostüme" ist Marschmusik gegen die Verhärtung der Welt. Auf der dritten "Strom&Wasser"-CD provoziert Heinz Ratz wieder kräftig. Er ist ist eine Mixtur aus Tom Waits und Konstantin Wecker: Seine Musik ist wild und ruhelos und zärtlich, er grummelt und schleudert seinen Sprachgesang ins Ohr. Musikalisches Kabarett, apokalyptische Volksmusik, Liedermacher der extremsten Art, Punk mit Akustik-Instrumenten – dies Getöse eindeutig zu beschreiben, ist unmöglich. Man muss es selber hören.“
    Wertung: *****
    FACTS, März 2006

  • "Radikale Ansichten in intelligente Liedform gepackt. Heiz Ratz gehört zu der Gattung Performer, die kein Blatt vor den Mund nehmen, gerne provozieren und so ganz nebenbei menschliche Abgründe offen legen. Ein Punk der Songwriter-Szene, härter als Funny van Dannen, ähnlich schonungslos wie Götz Widmann. Zusammen mit ein paar Kumpels liedert er als „Strom & Wasser” mit erstaunlicher Instrumentalkompetenz, schlägt sich von Walzer zu Rock und Jazz, von Ska zu Tango. Die Themen reichen von der Geisteskrankheit einer singenden Makrele über eine betrunkene und männergeile Bundeskanzlerin bis hin zu brauen Nazi-Panzer-Fahrern. Das klingt heftig – und ist es auch. Aber immer vom Feinsten, Wortakrobatik und kommödiantischer Feinsinn von hohem Niveau."
    sound-and-image.de

  • "Liedermacher-Punk, Pöbel-Poet, wütender Provokateur, radikalpolitischer Entertainer – er ist wohl von allem ein bisschen, wie Heinz Ratz mit seiner Band Strom und Wasser in der Schaubude einmal mehr bewies. Der, der in den letzen Wochen zu ungewohnt großer Medienpräsenz kam, weil die peinliche Entscheidung des Halberstädter Vize-Bürgermeisters, ein von Ratz organisiertes Antifa-Konzert mit Konstantin Wecker aufgrund von Krawalldrohungen seitens der NPD abzusagen, bundesweites Empören provozierte (wir berichteten). Als Trio traten sie an, Ratz mit der Akustikgitarre, begleitet von Fee Stracke am Klavier und Benny Greb an den Trommeln. Im Koffer hatten sie ihren dritten Silberling Gossenhauer, von dem sie in rund zwei Stunden – neben vielen älteren Nummern – eine ausgiebige Kostprobe gaben. Er ist bekannt für seine radikale Direktheit, für seinen bitterbösen Humor. Mit politisch motiviertem Blick schaut Ratz auch in Kiel auf die Underdogs, die Modernisierungsverlierer, schimpft auf bürgerliches Establishment und etablierte Politik. Erklärt uns den Unterschied zwischen Terroristen und Rebellen, singt über Leisetreter und lästert über Besserwisser, über hypersensible Studenten-Mimosen und tanzt mit Angela Merkel den schlüpfrigen CDU-Tango. Ratz singt nicht nur, er schauspielert, nörgelt, schreit und keift zu einer wilden Mischung aus Akustik-Punk, Polka, Walzer, Tango. Musikalisch spielen Strom und Wasser sicher in der ersten Liga, denn was allein Jazz-Schlagzeuger Benny Greb an Snare, Toms und Becken abliefert, darf man wohl getrost genial nennen."
    Kieler Nachrichten, Karen Jahn, 18.3.06

  • „Heinz Ratz ist nicht nur ein sehr sympathischer Kollege mit einer erstaunlichen Bühnenpräsenz, er gehört sicher zu stärksten und eigentümlichsten Talenten der jüngeren Generation. Ich freue mich über einen Künstler, der über sich selbst nachdenkt, der Widerspruchsgeist, künstlerische Unbestechlichkeit und eine beinahe anarchische Lust am Provozieren mit großer Sensibilität, ja Verwundbarkeit vereint. Aus den schwermütigen Texten von Heinz Ratz blitzen gelegentlich gefährliche Lebenslust und makaberer Witz hervor. Eine Entdeckung!“
    (Konstantin Wecker)

  • Aufmüpfig und provozierend.“
    (Kölner Stadtanzeiger)

  • „ ....wie ein Blixa Bargeld zu den besten Zeiten der Einstürzenden Neubauten...“
    (Schnüss, Bonn)

  • „ Von Anfang an Sprachwitz und eine enorme schauspielerische Begabung!“
    (Süddeutsche Zeitung)

  • „ Strom&Wasser hielten die Lachmuskeln unter Dauerstrapazen.“
    (Die Welt)

  • „ Liedermacher klingt entschieden zu schwach für die Abgründe, die Strom&Wasser lustvoll ausleuchten.“
    (Kieler Nachrichten)

  • „ The highlight of the evening was undoubtedly the magnificent Strom & Wasser. They managed to combine the instrumental inventiveness of the jazz trio with the storytelling of folk and the energy of rock.“
    (Baby-tiger, Edinburgh)

  • CD-Tipp: Strom und Wasser: Spielt keine Rolle

    „ Der Schimmel, der das Brot bedeckt, der denkt,
    das Brot sei ihm von einem Gott geschenkt.
    “ Die Erde sei, so denkt der Mensch ja auch,
    zu seinem ganz persönlichen Gebrauch.“

    Diese Weisheit stammt von Heinz Ratz, der sich in Gedichtbänden wie „Apokalyptische Lieder“ als begabter, überwiegend dem Düsteren, Morbiden, „Gotischen“ zugewandter Lyriker präsentiert hat. „Tier aus der Gosse, die Augen gerichtet auf das Unheilvolle“ charakterisiert er sein Krafttier, die Ratte („Ratz“) und somit wohl auch sich selbst. Zusammen mit dem Gitarristen Peer Jensen nennt sich Heinz Ratz „Strom & Wasser“. Die neue CD der Formation lässt neben ernst gemeinter Anklage und skurrilen Schockeffekten auch einen wahrhaft grimmigen Humor durchblicken. Man ist als älteres Semester und 70ger-Jahre-Nostalgiker ja immer geneigt, der großen Zeit der kritischen Liedermacher nachzutrauern. Wecker, Wader, Degenhart – waren andere Zeiten damals, wir hatten alle noch Ideale! Wer meint, „die Jungen“ könnten so etwas nicht mehr, der sollte sich einmal mit Heinz Ratz befassen. Kann man den 37-jährigen überhaupt als Liedermacher bezeichnen? Nicht, wenn man dabei an Nettigkeiten à la „Ich bin Klemptner von Beruf“ oder „Komm Uschi, mach kein Quatsch“ denkt. Wenn man mit Liedermachern allerdings einen gewissen gesinnungsethischen und ästhetischen Radikalismus verbindet („Ich singe, weil ich ein Lied hab, nicht weil es Euch gefällt“ – Wecker), dann ist Ratz ein neuer Prototyp des Genres. Der Mann trägt seinen punkigen Nachnamen mit Stolz trägt, schont weder das Nervenkostüm seiner Zuhörer noch die Hörgewohnheiten derer, die sich gern vom folgenlosen Konsum „rebellischer Texte“ einlullen lassen. Ikarus, eine Lieblingsfigur vieler Künstler wie Reinhard Mey, mutiert bei Heinz Ratz zum brandschatzenden Prometheus, der die Götterburg in Flammen setzt. „Tausend Jahre schon steht der Götterthron, lebt in Saus und Braus, presst die Armen aus. Lebt in Blutgewalt, mitleidlos und kalt. Nun kommt Ikarus, der der brennen muss.“ „Spielt keine Rolle“ ist eine liebenswert-schnoddrige Verliererballade in der Tradition eines Manfred Maurenbrecher. „Herzexplosion“ skizziert in knappen Worten das Lebensgefühl des „wütend“ liebende Rebellen zwischen überbordender Leidenschaft und schmerzbedingtem Erkalten im „Brustgemäuer“. Die Lieder stellen – trotz gelegentlicher kultureller Anspielungen – eher die Lebenswelt sozialer Brennpunkte (die „Gosse“) dar, vergleichbar dem authentischen Hip Hop. Schicksale von Getretenen und Verlierern, die hochkochende Wut und die Lebensgier der „Systemverlierer“, eine Nachbarschaft voller Neonazis und Spießer, die in ihren Wohnblöcken ihre Töchter vergewaltigen. Nicht alles gelingt dem künstlerischen Tausendsassa. Die Ballade von den reihenweise wegsterbenden „Zehn kleinen Nazilein“ ist nicht gerade ein Musterbeispiel christlicher Feindesliebe. Das krude Lied „Müllficken, Arschkacken“ scheint allzu sehr aus der juvenilen Lust geboren, sich an der Entrüstung im Gesicht prüder Bürger zu weiden. Letztere dürften die CD ohnehin nicht einmal mit der Pinzette anfassen. Die meisten derben Stellen der Texte stellen aber ernst zu nehmende Versuche dar, eine schonungslose und oft tatsächlich schockierend grausame Realität darzustellen wie sie ist. Der galante Herr Anton „will auch gern mit Kindern ficken“ und „Greisinnen mit Lederstricken den welken Leib zermatschen.“ „Komm zu Papa“ beschreibt den Kindesmissbrauch lakonisch und hart, aber mitfühlend mit dem Opfer. „Papa hat sie zerstört, Mama hat weggehört“. Und die Musik? Nun, wer „Strom und Wasser“ kauft, darf nicht erwarten, dass es wie Weihnachten mit Sarah Connor klingt. Der Sound ist rau, karg, ungehobelt, trocken und lässt auf diese Weise viel Raum für das Textverständnis. Der Bass von Heinz Ratz und die Gitarre von Peer Jensen bilden das Rückgrat des Klangkörpers. Banjo, Cello und Akkordeon setzen gelegentliche Akzente. Die klangliche und stilistische Bandbreite der Lieder ist in Anbetracht der nicht gerade üppigen Instrumentierung beachtenswert. Man fühlt sich an Punk, Ska, Skiffle und den musikalischen Minimalismus der Neuen Deutschen Welle erinnert. Bei „Spielt keine Rolle“ schlagen die Herzen im Dreivierteltakt, in „Komm zu Opa“ deutet Heinz Ratz mit Bee-Gees-Falsettstimme den „Hummelflug“ von Rimsky-Korsakow an, und in „Dicker Kuchen“ meint man – 70ger Jahre-Nostalgiker aufgepasst! – gar Simon & Garfunkel säuseln zu hören. Heinz Ratz’ erstaunlich wandlungsfähige Stimme erinnert teilweise an die endpralle Raubeinigkeit eines Tom Waits, teilweise an die distinguiert-überdeutliche Diktion Max Raabes und manchmal sogar an die verspielt-androgyne Stimmakrobatik eines Ringsgwandl. Dies sind nur einige Assoziationen, die deutlich machen sollen, dass sich die CD jeglicher klaren Zuordnung vehement widersetzt. Hörspielelemente und Gespräche zwischen den Musikern (die sozusagen den Prozess der CD-Produktion dokumentieren) hinterlassen einen kalkuliert „unfertigen“ Eindruck und torpedieren so gekonnt den Mythos von der CD als einem durchgestylten, ästhetisch perfekten Gesamtkunstwerk. Leben, scheinen die Künstler sagen zu wollen, ist niemals so glatt. Es ist rau, sperrig und tut oft weh. Und doch gibt es dieses Aufflammen der Revolte und dieses Brennen vor Liebe – „gegen die Starre. Sprungbereit“.
    Roland Rottenfußer
    www.hinter-den-schlagzeilen.info

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